Fakten + Analysen zum Ölmarkt

Ölmarkt­infos und Prognosen zur Ölpreis­ent­wicklung

Entwick­lungen und Fakten

  • Norwegen hat seine Rohölförderleistung im April deutlich steigern können. Die voraus­berech­neten Mengen wurden um +7,5% über­troffen und bewegen sich bei 1,945 Mio. Barrel am Tag.
  • Der Iran führt eine Bitcoin-gestützte Schiffsversicherung „Hormuz Safe“ für die Passage der Seestraße ein. Das könnte dem Iran jährliche Einnahmen von 10 Milliarden Dollar bringen.
  • Laut Analyse von Goldman Sachs schwinden die Ölreserven in Rekord­tempo. Die "sichtbaren" Ölbestände schrumpfen im Mai täglich um 8,7 Mio. Barrel, ein Rekordwert. Noch zeigt sich die Problematik nicht in vollem Umfang. Die Ölpreise bilden ein 'worst case' Szenario derzeit nicht ab. Jeder Tag, den die Sper­rung fort­dauert, führt zu weiteren Ange­bots­defiziten auf dem Öl- und Gas­weltmarkt.
  • Die USA verlängern doch die Ausnahme der Sanktionen gegen russisches Öl. Mitte Mai wäre die Ausnahme das zweite Mal auslaufen sollen, ist nun aber doch verlängert worden.
  • Dem Ölmarkt läuft in Bezug auf Hormus die Zeit davon! Die Auswirkungen der Nichtpassierbarkeit der Straße von Hormus sind in der Dimension gigantisch und werden vom Markt offenbar stark unter­schätzt.
  • Die Anrainerstaaten des Persischen Golfs sind gezwungen ihre Ölförder­mengen zu drosseln. Dortige Puffer­tank­lager sind bis an ihre Kapa­zitäts­grenzen voll. Neben Saudi-Arabien sind dort nur noch die VAE in der Lage größere Ölexporte zu bewerkstelligen.
  • Der Iran hält an seine insti­tu­tio­nelle Kontrolle über die Straße von Hormus weiter fest. Das wird eine Rückkehr zu normalen Trans­port­ka­pa­zi­täten über diesen so wichtigen Seeweg lang­fristig deutlich einschränken.
  • Der LNG-Gigant Katar fällt lange aus. Iranische Raketen- und Drohnenangriffe haben Ende März Katars LNG-Produktionsanlagen sehr schwer getroffen. Die Reparatur der Schäden wird nicht Monate sondern Jahre benötigen. Damit hat die Welt ihren größten LNG-Lieferanten für lange Zeit verloren.
  • Der Ölpreis-Schock durch den Iran-Krieg hat seit Anfang März die globale Wirtschaft in Stress­modus versetzt.
     

 

Bad News für den Ölmarkt.

Markt- und Preis­ein­schät­zungen

  • Saudi-Aramco beziffert das Defizit auf dem Ölweltmarkt nach zwei Monaten Iran-Konflikt auf bereits eine Milliarden Barrel Rohöl.
  • Die Analysten von CITI sehen die Brent-Kontrakte weitergehend eher bei 120 USD/B. Derzeit unterschätzen die Marktteilnehmer die Realität und den längerfristigen Effekt der massiven Angebotsstörungen.
  • Die US-Großbank JP Morgan erwartet, dass die Ölpreise auch zum Jahresende noch bei 100 USD/B liegen werden, selbst wenn Hormus im Juni wieder passierbar werden würde.
  • Die Analysten von Macquarie prognostizieren Ölpreise von bis zu 200 Dollar/B im Fall, dass Hormus bis in das zweite Halbjahr hinein unpassierbar bliebe.
  • Die IEA bezeichnet die aktuelle Ölmarktsituation als die größte Angebotsunterbrechung in der Geschichte.
  • Ölpreise von über 100 Dollar/Barrel könnten den aufstrebenden Ölproduktionsländern in Südamerika sehr zum Vorteil geraten. Laut Rystad Energy könnten dortige Länder bei solch hohem Ölpreiseniveau deutlich schneller inves­tieren und bis 2035 die Tagesproduktion zusammen um mehr als zwei Millionen Barrel steigern.
  • Die Goldman Sachs hat seine Prognose für den Durch­schnitts­preis der Rohöl­leit­sorte Brent in 2026 von 77 auf 85 Dollar je Barrel nach oben revidiert. Für die US-Hauptsorte WTI sieht die Invest­ment­bank einen Jahres­mittel­preis von 79 Dollar je Barrel, zuvor 72 USD/B.
  • Die US‑Energiebehörde EIA rechnet mit Rohölpreisen von 90 - 100 USD/B bis in den Sommer und erst in 2027 mit einem Rückgang auf etwa 63 USD/B.
  • J.P. Morgans Ölpreisprognose von Jahres­anfang tritt offen­sichtlich nicht ein. Die Bank hielt es im Extrem für möglich, dass die Ölpreise in den nächsten zwei Jahren schritt­weise um die Hälfte sinken, bis auf ein Niveau von rund 35 USD/Barrel. Der Iran-Krieg hat diese Prognose aber komplett über den Haufen geworfen!
     

 

Onshore Öllager

Ukraine-Krieg fort­dau­ernd

  • Die ukrainische Armee hat in ihrem Abwehrkampf erneut Anlagen der russischen Ölindustrie erfolgreich angegriffen. Ziel war die Hafenstadt Tuapse am Schwarzen Meer sowie Ölanlagen in Perm im Ural und in Orenburg in Süden Russlands. Russland nimmt immer wieder Kiew, Odessa und die Industriestädte im Westen des Donbass ins Visier.
  • Militärfachleute meinen, dass im Ukrainekrieg keine größeren territorialen Gewinne mehr möglich sind, weder für die ein noch für die andere Seite. An der Front herrscht Stellungskrieg und Drohnenkrieg. Parallel wird im Hinterland die Infrastruktur massiv und unsäglich zerbombt.
  • Die ausgesetzten US-Sanktionen gegen Russlands Ölexporte sind seit Mitte Mai wieder in Kraft.
  • Durch die Druschba-Pipeline fließt wieder russisches Öl über die Ukraine nach Ungarn und Slowenien.
  • Moskau könnte im Ukraine-Krieg seine Ziele verringern. Der Kreml-Sprecher Peskov deutete Mitte April an, dass im terri­torialen Streit zwischen Russland und der Ukraine der Kreml gewisse Abstriche machen könnte. Es seinen weniger als 18% der Fläche der vier Provinzen im Südosten noch zu erobern. Damit hätten die Kampf­ein­heiten dann die Verwal­tungs­grenzen erreicht und die Kriegs­hand­lungen könnten enden, so Peskov.
  • Die Ukraine hat im März und im April mit Drohnen­angriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie eine Vielzahl an wichtigen Objekten in Brand gesetzt. Ölhäfen ist schwer beschädigt. Offenbar hat die Ukraine auch neue Lang­strecken­drohnen des Typs 'An-196 Ljutyj' erfolgreich einge­setzt.
     

 

Ölproduktion Iran

EIA-Monats­be­richt Mai

  • Die EIA sieht für 2026 akute Knappheiten auf dem Ölmarkt.
    Wie erwartet hat die EIA in ihrem aktuellen Monats­bericht für das laufenden Jahr 'klar bullische' Prognosen getroffen und reagiert damit auf die neue Markt­situation, die durch den Krieg am Persischen Golf geschaffen wurde.
  • Doch für 2027 bleiben die Aussichten dennoch überwiegend 'bärisch'. Unter der Voraus­setzung, dass die Straße von Hormus mit Jahres­mitte wieder umfänglich passierbar sein wird, erwartet die EIA für 2027 eine Markt­normali­sierung mit entspre­chendem Angebots­überschuss.
    Die derzeitige globale Rohölproduktion beziffert die EIA mit 101,6 Mio. Barrel am Tag.

 

OPEC, Opec+

US-Ölmarkt

  • Wurde zu Jahresbeginn noch das Bild von der Endphase der US-Schieferöl- u. Schiefer­gas­förderung gezeichnet, so ist die Situation im Frühjahr 2026 plötzlich eine völlig andere. Mit dem Iran-Krieg ist die globale Versorgung mit Öl und Gas aus der Region Persischer Golf zu großen Teilen abgeschnitten. Da inzwischen länger­fristig von erheblichen Angebots­defiziten ausge­gangen wird, könnte die US Schieferöl­branche vor einer neuen Renais­sance stehen. Trump will zwar billigeres Öl, aber dazu kommt es nicht.
  • Die Ölförderleistung in den USA hatte im Oktober '26 einen neuen Rekordwert von fast 13,9 Mio. Barrel Rohöl erreicht. Die USA sind mit Abstand die Nr. 1 bei den Förder­mengen, die sich im Mai bei 13,6 Mio. Barrel/Tag bewegen.
  • Nach Einschätzung von Diamondback Energy, dem größten unab­hängigen US Schiefer­ölför­derer, dürfte die Förder­leistung in den meisten Regionen in 2026 ihren Höhe­punkt erreicht haben. Die vor Monaten offenkundige Möglichkeit des Abrutschens der Ölpreise auf nur 60 Dollar/B bewirkte Vorsicht und Zurück­haltung bei den Neu­investi­tionen. Mit der Blockade von Hormus hat sich das aber dann in das komplette Gegenteil verkehrt.
  • Kanada sucht sich für sein Öl neue Märkte außerhalb der USA. Zukünftig soll sehr viel kanadisches Öl und Gas nach Europa, Japan und vor allem auch China gehen. Man will raus aus der Liefer­abhän­gigkeit von den USA. Dazu soll die 'Trans Mountain Pipeline' von Edmonton zu den Tanker­verla­dungen in Van­couver auf etwa 50% mehr Durchsatz ausgebaut werden. China zeigt zunehmend großes Interesse an Kanadas saurem Rohöl.
     

 

Ölproduktion, Lagermengen, Energiesektor, erneuerbare Energien

Endzeit der Dollar-Dominanz

  • Über ein halbes Jahrhundert lang war die Welt gezwungen, ihr Öl und viele andere Wirt­schafts­güter in US-Dollar zu kaufen. Dieses System stützte Amerikas wirt­schaft­liche Dominanz und ermög­lichte es, unvor­stell­bare Geld­summen ohne unmittelbare Konse­quenzen zu drucken. Jetzt reißt aber vor allem China dieses Fundament ausein­ander. Goldbarren ersetzen die Dollar­rücklagen. Saudi-Arabien akzeptiert bereits den Yuan für seine Ölverkäufe und bricht damit mit der Petrodollar-Tradition. Die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) entwickeln aktiv eine gold­gedeckte Konkurrenz-Währung.
  • Die Folgen für die USA werden verheerend sein. Die Nachfrage nach US-Dollar wird abflauen. Staaten werden keine Dollar-Sicher­heiten mehr brauchen, wenn es goldge­deckte Alter­nativen gibt. Staats­anleihen-Auktionen werden scheitern, was die Fed dann dazu zwingt, mehr Geld zu drucken. Und das läuft unwei­gerlich in eine Dollar-Entwertung.
  • Gold ist nicht mehr nur ein Investitions- und Absicherungs­gut. Gold wird das Fundament für eine neues globales Finanz­markt­system werden.

 

Konjunktur Chinas

World Oil Outlook der OPEC

  • Die OPEC hat in ihrem vielbe­achteten jährlichen 'World Oil Outlook' die Prognosen für die mittel- und länger­fristige Ölnachfrage ange­hoben.
  • Bis 2050 soll der weltweite Ölbedarf demnach noch auf 120 Mio. Barrel/Tag ansteigen. Auch soll der Anteil an Verbren­nungs­motoren in 2050 noch bei über 70% liegen, getrieben von Ländern, die nicht der OECD angehören.
  • Damit widerspricht die OPEC grundsätzlich den Outlook-Berichten der IEA und von BP, die einen erheblichen Ölbe­darfs­rück­gang sehen.
  • Exxon Mobil hingegen geht für 2050 von einem ähnlich hohen Ölbedarf wie heute aus und schätzt, dass dieser bis 2050 kontinu­ierlich bei über 100 Mio. Barrel/Tag bleiben wird.
  • Allerdings sehen mehrere andere Ölkonzerne das Hochplateau bereits in den dreißiger Jahren, und damit früher erreicht.
     

 

Onshore Öllager

Klima­ge­fahren

  • Energiebedarf + Energieerzeugung bis 2050:
    Laut McKinsey Studie werden die fossilen Brenn­stoffe auch in 2050 die Energie­er­zeu­gung domi­nieren. Öl, Gas und Kohle werden den weltweiten Energie­mix noch auf Jahr­zehnte anführen (müssen), da der Strom­bedarf in schnel­lerem Tempo steigt als die Umstel­lung auf erneu­er­bare Energien.
    Der weltweite Strombedarf wird vor allem aufgrund des Mehr­bedarfs in der Industrie und im Gebäudes­ektor von 20 - 40 % bis 2050 ansteigen. Nord­ameri­kanische Rechen­zentren tragen dabei am meisten zu diesem Anstieg bei. McKinsey geht davon aus, dass fossile Brenn­stoffe im Jahr 2050 etwa 41 - 55 % des welt­weiten Energie­verbrauchs aus­machen werden. Das ist zwar weniger als die heutigen 64 %, aber höher als frühere Prog­nosen.
  • 'World Enery Outlook' der IEA:
    Die Kombination aus einer voranschreitenden Energiewende, gepaart mit strukturellen Veränderungen der Weltwirtschaft, wird in der Zukunft erhebliche Auswirkungen auf den Öl- und Gasweltmarkt haben. Die Pariser Klimaziele bleiben aber ohne die internationale Zusam­men­arbeit absolut unerreichbar!
    Die Welt erlebt jedes Jahr von neuem eine höhere Durchschnittstemperaturen im zehntel Grad-Bereich.
     
  • Die Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass die Ölnachfrage noch ein weiteres Jahrzehnt weiter ansteigen wird. Mit BIP-Wachstum und höherem Gesamt­energie­bedarf bestehen für die Dekar­boni­sierung gigantische Heraus­forde­rungen, besonders auch für den Flug­verkehr und für petro­chemi­sche Produkte.
     
  • Die Investitionen in erneuerbare Energien müssen vervierfacht werden, um die Klimaziele von Paris zu erreichen.
    Die IRENA (Inter­natio­nal Renew­able Energy Agency) hat be­rech­net, dass sich die welt­weiten Investi­tionen in Tech­no­logien zur Energie­wende auf 5 Billionen jährlich vervier­fachen müssten, um den Tempe­ratur­anstieg auf +1,5 °C zu begrenzen. Täte man das nicht, käme das unsagbar teurer mit kata­stro­phalen Folgen.
    Laut UN ist kein „glaubwürdiger Weg“ beschritten, um den Anstieg der globalen Temperaturen bis 2040 auf 1,5°C über dem vor­indu[s-]trie­ellen Niveau zu begrenzen. Beim derzeitigen Kurs werden sie bis 2050 um 2,8°C ansteigen.
     
  • Die Europäische Union verschärft nochmals ihre Ziele für die erneu­erbaren Energien. Die EU ist dabei die Ziel­schwelle für den Anteil der Energieerzeugung aus Erneu­er­baren bis 2030 von 32% auf 42,5 % anzu­heben. Das gleiche Anteils­ziel wird für die Wasser­stoff­erzeu­gung aus Erneuerbarer Energie gesetzt.
     
  • Auch der Weltklimarat schlug mit seinem jüngsten Bericht Alarm hinsichtlich einer unbestreitbar beschleunigten Klimaerwärmung. Demnach könnte eine Erderwärmung um 1,5 Grad bei aktueller Entwicklung bereits bis 2030 erfolgen. Bislang hatte man damit erst etwa zehn Jahre später gerechnet. Dieses ist weder um­kehr­bar noch stoppbar. Diese Prozesse können mit größten Anstrengungen lediglich verlangsamt werden.
    Und statt zu sinken, steigen die globalen CO2-Emissionen. Die globale Erwärmung schreitet noch schneller voran als vor­aus­be­rech­net. Deren Folgen werden ver­heerend(!) ausfallen.
     
  • Die Menschheit ist auf dem unverantwortlich kritischen Weg, bis zum Jahr 2030 doppelt so viel an fossilen Brennstoffen zu verbrennen, wie verkraftbar wäre um die Erderwärmung unter +1,5 °C zu halten. Auch diese Zahl wird bereits gravierende und umwälzende Folgen für das globale Ökosystem mit sich bringen. Diese Auswirkungen sind absolut unumkehrbar und niemals wieder gutzumachen. "Wir stecken in einem tiefen Loch - und wir müssen sofort aufhören zu graben", beschwört das unabhängige Stockholm Environment Institute (SEI).
     

 

Klima-Krise

Wasser­stoff / E-Fuels:  Neue Projekte

  • In Vision soll die Nordsee zum 'Green Power House' für Europa werden.
  • Der niederländische Netzbetreiber Tennet will mit Milliarden­investi­tionen den Ausbau von Leistungs-Strom­leitungen der dortigen Wind­parks vorantreiben. Siemens Energy sicherte sich dabei einen Milli­arden­auftrag. Beide Unter­nehmen sprechen von einem Meilen­stein für die euro­päische Energie­wende.
  • Die HH2E AG und die Schweizer MET Group haben ein Joint Venture für Entwicklung und Bau der bisher größten Produk­tions­anlagen für grünen Wasserstoff in Europa in Lubmin (Mecklen­burg-Vorpommern) gestartet. Das Projekt soll in der ersten Ausbau­stufe den Bau einer Power-to-X-Anlage der neuen Generation mit einer Kapazität von rund 6.000 Tonnen (200.000 MWh) grünem Wasserstoff pro Jahr ab 2025 umfassen. In Aus­bau­stufe 2 ist eine Leistung von über 1 GW ab 2023 geplant, wodurch mehr als 60.000 Tonnen grüner Wasser­stoff pro Jahr produziert und über 800.000 Tonnen direkter CO₂-Emis­si­onen jährlich vermieden werden können. Die Gesamt­investi­tionen dürften 1 Milliarde Euro übersteigen.
     

 

Entwicklung Ölmarkt

Gas-Liefer­ströme in Europa


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